Eine Aktion der Lions Clubs Zimmerberg und Val Müstair.

Der einzige erhaltene frühmittelalterliche Freskenzyklus im Kloster St. Johann in Müstair ist einer der Hauptgründe für die Einreihung der Klosteranlage in die Liste der Weltkulturgüter der UNESCO. Speziell ist die Tatsache, dass es sich um zwei hintereinanderliegende Bildreihen handelt. Die frühere stammt aus der Gründerzeit des Klosters um das Jahr 800, die spätere aus den 12. Jahrhundert.

Das diesjährige Sujet zeigt die Enthauptung des Johannes und das Gastmahl des Herodes. Diese Wandmalereien gehören zu den populärsten Denkmälern mittelalterlicher Gemälde. Heute würde man sagen, sie seien eine Art Comics, weil in der Abfolge Geschichten erzählt werden. Im vorliegenden Fall links im Bild eine grauslig detaillierte Darstellung der Enthauptung des Johannes, rechts das Gastmahl des Herodes mit dem Tanz der Salome. «Keine Salome tanzt schöner» schrieb einmal Iso Camartin. Auch der König war so verzückt, dass er schwor, der Tochter jeden Wunsch zu erfüllen. Mangels einer eigenen Idee folgte sie dem Ratschlag der Mutter, die den Kopf des Johannes auf einer Schale verlangte. Der König war entsetzt, musste aber nach seinem Schwur den tragischen
Befehl erteilen.

Die Fresken bedürfen der laufenden Hege und Pflege. Gegenwärtig ist die Mittelapsis eingerüstet und die Bilder sind dadurch für den Besucher der Klosterkirche nicht sichtbar. Nach der Süd- und der Nordapsis werden nun die Fresken der Mittelapsis gereinigt, restauriert und wissenschaftlich neu erfasst. Diese Arbeiten dürften insgesamt rund fünf Jahre dauern.

Seit 1984 unterstützen die beiden durch eine Jumelage verbundenen Lionsclubs Zimmerberg und Val Müstair die Finanzierung dieser Restaurierungsarbeiten. Der künstlerisch begabte Arzt und Lionsmitglied Dr. Rolf Gassmann interpretiert jedes Jahr eine der Fresken in der Klosterkirche. Das von ihm gemalte Bild dient jeweils als Vorlage für die Weihnachtskarten. Der Reinerlös wird der Stiftung Pro Kloster St Johann in Müstair überwiesen. Die mehr als dreissigjährige Activity hat weltweite Berühmtheit in der Lionsbewegung ausgelöst, insbesondere wegen ihrer Nachhaltigkeit.